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Rinder

Erfolgreiche Jungviehaufzucht auf Gut Hülsenberg

Portrait Götz Resenhoeft, Geschäftsführer von Gut Hülsenberg, im Kuhstall

Götz Resenhoeft, Geschäftsführer von Gut Hülsenberg

Gut Hülsenberg in Wahlstedt (Schleswig-Holstein), das Teil der Schaumann Group ist, zählt seit vielen Jahren zu den leistungsstärksten Milchviehbetrieben Deutschlands. Im LKV-Jahr 2024 erreichte der Betrieb mit 50 abgegangenen Kühen erneut eine herausragende Abgangsleistung von 69.100 kg Milch sowie eine durchschnittliche Lebenstagsleistung von 25,0 kg. Mit über 13.000 kg Jahresleistung je Kuh gehört der Betrieb damit zu den Spitzenherden im Bundesgebiet und belegt Platz 2 in der bundesweiten Kategorie 200 - 500 Kühe.
Ein zentraler und häufig unterschätzter Erfolgsfaktor ist dabei die professionelle Jungviehaufzucht. Wie diese auf Gut Hülsenberg organisiert ist, erläutert Geschäftsführer Götz Resenhoeft im Interview.

Welche Ziele verfolgen Sie in der Jungviehaufzucht?

„Eine einfache aber sehr aussagekräftige Faustzahl ist 1 kg Tageszunahme in den ersten 400 Tagen. So legen wir den wesentlichen Grundstein nicht nur für die erste Laktation, sondern für die gesamte Lebensleistung der späteren Milchkuh.
Wir belegen grundsätzlich nach Gewicht, nicht nach Alter. Zur Erstbesamung sollen die Tiere etwa 400 kg Lebendgewicht erreicht haben – das entspricht rund 55 % des Gewichts einer ausgewachsenen Kuh. Nur wenn diese Entwicklung passt, erreichen wir unser Erstkalbealter von etwa 24 Monaten und vermeiden zu hohe Aufzuchtkosten unserer Rinder.“

Wie überprüfen Sie, ob Ihre Jungrinder diese Ziele erreichen?

„Ganz klar: durch Wiegen. Das ist unser wichtigstes Kontrollinstrument in der Jungviehaufzucht. Beim Wiegen sieht man sofort, in welchem Bereich Zuwachs verloren geht und wo man gegensteuern muss. Dazu gehört auch, sich selbst zu hinterfragen: Haben wir alle Stellschrauben genutzt? Sehr hilfreich ist zudem das Wiegen im Melkroboter bei den ersten Melkungen der Färsen. So erkennen wir, ob das Endgewicht passt. Vor der Abkalbung sollten Jungrinder rund 95 % des Gewichts einer ausgewachsenen Milchkuh erreichen.“

Was ist für Sie die größte Herausforderung der Jungviehaufzucht auf Gut Hülsenberg?

„Herausfordernd ist vor allem der Sommer, wenn das Jungvieh auf der Weide ist. Hier darf man sie nicht aus dem Blick verlieren, sonst bleiben die täglichen Zunahmen schnell zurück. Wichtig ist, rechtzeitig zuzufüttern. Wir mischen dafür bei Bedarf eine extra Ration für die Weidetiere. Durch unser automatisches Fütterungssystem ist das gut umsetzbar. Auch tragende Jungtiere gehen auf die Weide, werden aber regelmäßig kontrolliert.

Wie gestalten Sie die Ration Ihrer Jungviehs?

„Die Fütterung der Jungrinder ist bei uns so einfach wie möglich gestaltet und in drei Phasen aufgeteilt (s. Darstellung). Während der Tränkephase der Kälber und nach ihrem Absetzen füttern wir zuerst die Kälber-TMR KALBI TMR NOVA, dann eine Jungvieh-TMR und schließlich eine TMR für die tragenden Rinder. Vor der ersten Kalbung kommen die Färsen in eine spezielle Abkalbegruppe, in der sie die Trockensteher-Ration erhalten.
Mit dieser Fütterungsgestaltung und einer angepassten Energie- und Eiweißversorgung möchten wir häufige Probleme in der Jungviehaufzucht (s. Darstellung) wie struppiges Fell, zu geringes Wachstum und eine schlechte Fruchtbarkeit gezielt verhindern. “
Grafik: Checkliste für die Jungviehfütterung vom Absetzen bis zur ersten Kalbung

Darstellung: Checkliste für die Jungviehfütterung vom Absetzen bis zur ersten Kalbung

Welche Stellschrauben sind aus Ihrer Sicht entscheidend für eine erfolgreiche Jungrinderaufzucht? 

„Der Schlüssel sind vernünftige Tageszunahmen, damit wir die Jungrinder rechtzeitig besamen können. Unser Erstkalbealter liegt aktuell bei 24 Monaten – dafür muss in der gesamten Aufzucht alles ineinandergreifen. Zudem dürfen wir keine Zyklen verpassen. Dazu gehören eine genaue Brunstbeobachtung und eine zuverlässige Aktivitätsmessung beim Jungvieh.“

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